table ronde: Prolog zum Thema Repräsentation und Einladung beim Kostümkollektiv Berlin

Als eine Art praktischen Prologs zur nachfolgenden Auseinandersetzung mit dem Begriff der Repräsentation, lud uns die an der KontextSchule mitwirkende Künstlerin Tanja Arthur ein, einen Nachmittag beim Kostümkollektiv im Künstlerhaus Bethanien zu verbringen. Gemeinsam mit Muriel Nestler, der Initiatorin und Verantwortlichen des Kostümkollektivs, leitete Tanja Arthur das Treffen an. Passend zum Karnevalsbeginn am 11.11. und zwischen mehreren tausend Kostümen im eindrücklichen Fundus, stimmten uns die beiden auf ein gemeinsames Spiel ein, in dem es um Fragen ging wie:

Dabei lernten wir unterschiedliche theaterpädagogische Methoden kennen, die wir gemeinsam ausprobierten.

Eingeleitet wurde der Nachmittag mit einer Übung, in der wir uns in raschen Assoziationen selbst beschreiben sollten: “ich heiße (eigener Name) und wenn ich eine Küchenmaschine wäre, wäre ich…; wenn ich eine Blume wäre, wäre ich...; wenn ich ein Superheld wäre, wäre ich...”

Es fand eine Erinnerungs- und Erzählrunde zu Kostümierung und unserem persönlichen Bezug dazu statt: “Erzähle deine letzte oder erste Kostümparty/Faschingsfeier, an die du dich erinnern kannst. ”

Im Tandem sollten wir Kostümteile “gegen das nutzen, was die eigentliche Funktion ist: Sich auf Zeit umziehen mit 5 Stücken, ein anderer beschreibt, was er sieht und erfindet z.B. einen Namen dafür.”

Einige Beteiligte erlebten die Übung als kompetitiv und problematisierten den Zeitdruck. Aus ihrer Sicht fehlte die nötige Muße für eine Auseinandersetzung mit der Persönlichkeit im Kostüm. Im Gespräch machten die Anleitenden deutlich, dass es ihnen “nicht darum ging, ein inneres, emotionales Verhältnis zum Kostüm zu entwickeln.” In Anlehnung an den Künstler Erwin Wurm richteten sie ihr Augenmerk vielmehr darauf, “mit Kleidung, Kostümteilen, Anziehsachen einen neuen Körper zu formen, den Körper skulptural zu benutzen, mit Stofflichkeit und Formen zu arbeiten. Die Mitwirkenden sollten eine Haltung zu einem Kostüm entwickeln und sich ins Verhältnis zu sich und den anderen setzen.”

Als letzte Übung erprobten wir den von Muriel Nestler entwickelten Kollektiven Avatar. Dabei bilden mehrere Leute eine Skulptur - erst ohne, dann mit Kostümen, wobei Muriel Nestler choreografierte. Das so entwickelte Bild sollte immer einen Augenblick stehen bleiben, bevor es verändert werden durfte, wobei “eine kleine Verschiebung das Bild komplett verändern kann”. Weitere Merkmale für den Kollektiven Avatar sind “die Suche nach der eigenen Verortung” (im Bild) und der Umstand, “dass das gesamte Bild jeweils nur für den Zuschauer erfahrbar ist.”

Zum Ende des Nachmittags entbrannte eine Diskussion über die Frage, inwiefern der erprobte Einsatz (theater-) pädagogischer Methoden zur Reproduktion stereotyper – beispielsweise heteronormativer – Bilder beiträgt. Ausgangspunkt für die Debatte war das Unbehagen einiger Mitwirkender bezüglich der fehlenden Reflexion dessen, was an Übungen ausprobiert und dabei beobachtet worden war. Die beiden Verantwortlichen beschrieben ihr Ziel so, dass sie diese Unterbrechungen ganz bewusst vermieden hätten, um bei den Beteiligten eine Art Flow auszulösen. Sie wollten der Gruppe ermöglichen, sich auf die sinnlich-physische Erfahrung einzulassen anstatt in der kognitiven Haltung des Beobachtens und Analysierens zu verbleiben. Andere argumentierten, dass mit dem Abstellen auf einen eher intuitiven Zugang dominante (Vor)Bilder unhinterfragt nachgeahmt werden könnten und dass die (theater-)pädagogischen Übungen damit zum Instrument würden, mehrheitsgesellschaftliche Haltungen und Sichtweisen einzuüben. Diesen Dissens nahmen wir mit in die nächsten beiden Treffen zu Repräsentation.

KS zu Gast bei: Kostümkollektiv, Muriel Nestler

Gast: Nanna Lüth

Termin: Mittwoch, 11.11.2015, 14:30-18:30