< Platz da! > –
Kunstvermittlung bei der nGbK

Den Nachmittag verbrachten wir als Gast bei der neuen Gesellschaft für bildende Kunst (nGbK). Dort stellten uns Silja Korn, Hildegard Wittur und Stefanie Wiens von < Platz da! > ihre unterschiedlichen Ansätze interventionistischer und inklusiver Kunstvermittlung vor. Diese haben sie im Verlauf des vergangenen Jahres im Rahmen von Stefanie Wiens’ Kunstvermittlungsstipendium bei der nGbK 2017 entwickelt und praktiziert: „Das Kunstvermittlungsprojekt < Platz da! > setzt bei der Frage an, wer eigentlich Kunst vermittelt. Um welche Personen handelt es sich für gewöhnlich und wie verändert sich die Perspektive, wenn dies Menschen mit ‚Behinderung‘ sind? Das Angebot, das Stefanie Wiens erarbeitet hat, richtet sich zunächst an die Vermittlerinnen – an Frauen, die sich mit den in der nGbK ausgestellten Werken auseinandersetzen und eigene Vermittlungsstrategien entwickeln wollen. Gemeinsam mit den Besucher*innen nähern sie sich der Kunst auf neuen Wegen.“

Bei einem gemeinsamen Rückblick auf dieses Jahr gingen sie auf die „Schätze“ und „Stolpersteine“ in der Zusammenarbeit in einem diversen Team ein. Dies bestätigte, dass „Inklusion vor den Kulissen nur funktioniert wenn sie hinter den Kulissen auch gelebt wird.“ Entsprechend planen die Mitwirkenden, auf die gemachten Erfahrungen aufzubauen und das Vorhaben fortzuführen.

Zum Abschluss des Nachmittags nahmen die Kunstvermittler*innen uns mit auf eine Tour durch die aktuelle Ausstellung „Left Performance Histories“. Silja Korn sensibilisierte uns für die besonderen Ansprüche und Bedürfnisse eines blinden Publikums, indem sie uns bat, uns zu zweit durch die Ausstellung zu bewegen. Dabei wurde jeweils eine Person mit Augenbinde und Blindenstock ausgestattet und von der anderen Person geführt. Auf diese Weise entdeckten wir (für uns neue) Qualitäten in der Auseinandersetzung mit Kunstwerken in einem Ausstellungskontext – etwa eine gesteigerte Aufmerksamkeit beim genauen Betrachten und Beschreiben der Werke für eine andere Person. Oder die veränderte Wahrnehmung der Ausstellungsräume und deren Akustik, wenn darin nicht der Sehsinn dominiert.

Insgesamt hat das Treffen deutlich gemacht, wie gering das Bewusstsein, aber auch das Wissen um „Ableismus“, also Behindertenfeindlichkeit, als einer zentralen Form von Diskriminierung bei uns Besucher*innen und Institutionen ist. Uns wurde deutlich, wie wichtig es für eine nicht paternalistische und diversitätssensible Zusammenarbeit zwischen Menschen mit und ohne „Behinderung“ ist, die spezifischen Anforderungen und Möglichkeiten unterschiedlicher „Behinderungen“ zu kennen. Vor allem aber, von den Kämpfen der Behindertenbewegung zu lernen – etwa hinsichtlich normativer Zuschreibungen in Bezug darauf, was „gesund“, oder was ein „abled body“ ist. Dafür hat der Nachmittag erste Impulse gesetzt – indem das < Platz da! >-Team uns bei der Auseinandersetzung mit den eigenen Lücken und Berührungsängsten unterstützt und begleitet hat.

KS6 zu Gast bei: nGbK – neue Gesellschaft für bildende Kunst

Gast: < Platz da! >

Termin: Mittwoch, 14.2.2018, 14:30-18:30

Literatur zum Treffen