etwas tun:
Differenz als Rechenaufgabe /
Praktikum im Alltag einer*eines Anderen

Bei unserem Eintreffen an der UdK glich unser Arbeitsraum einem Schulraum: Pulte reihten sich in U-Form aneinander und riefen uns lehrpersonenzentrierte Unterrichtssituationen aus der eigenen Schulzeit in Erinnerung. Darauf lagen Schulbücher aus, deren Aufmachungen historisch bis zeitgenössisch anmuteten. Differenz als Rechenaufgabe – ist eine unregelmäßig stattfindende Seminarreihe, die sich als selbstorganisierter Prozess des Forschens, Arbeitens und Kommunizierens versteht. 2011 von Claudia Hummel und Annette Krauss initiiert, stellt Differenz als Rechenaufgabe Fragen "nach einem sozialen Hier und Jetzt von Lernen, Lehren und Umlernen. Wie kann Lernen stattfinden ohne sich in die Logik der Verwertbarkeit einzufügen? Welche Modelle und Konzepte liegen unseren Vorstellungen von Lernen, Lehren und Umlernen zugrunde?"

Mit diesen Fragen beschäftigten wir uns unter Anleitung von Claudia Hummel zunächst in Form von Übungen, in denen sie uns Bild- und Textauszüge aus ihrem Fundus an Mathematikbüchern aus den Jahren 1985 – 2007 zu sehen und zu hören gab. Anschließend tauschten wir uns über das Beobachtete und Gehörte aus. Es kamen Überlegungen zu den "hidden curricula" in Rechenaufgaben zur Sprache, also zu den Inhalten, die sich wirkmächtig mitvermitteln, wenn es vordergründig um das Addieren oder Subtrahieren von Zahlen geht. Durch die Anordnung und Reihung der Bilder und Texte in den Übungen wurden aber auch weiter reichende Bezüge greifbar: Etwa, was sich aus den Aufgabenstellungen als (imaginierter) Lebensweltbezug für Schüler*innen herauslesen lässt, und wie dieser sich mit den Jahren verändert. Dass der Lebensweltbezug Schüler*innen aber auch in ihren sozialen Positionen markieren und festschreiben kann – beispielsweise sind in einem Lehrbuch für die Hauptschule keine akademischen Berufe als potenzielle zukünftige Arbeitsfelder vorgesehen.

Im zweiten Teil des Nachmittags führte Claudia Hummel uns in die von ihr entwickelte Methode des Praktikum im Alltag eines*einer Anderen ein. Die Mitwirkenden besuchen sich in den nächsten Monaten gegenseitig in ihrem Berufsalltag und verfassen über diesen Aufenthalt im jeweils anderen Kontext einen Praktikumsbericht. (de/ad)

Gast: Claudia Hummel

Termin: Mittwoch, 15.02.2017, 14:30-18:30